5. Generation Bernhard Zindel-Kunz

Seinem Vater war es ein grosses Anliegen, dass Bernhard eine Ausbildung erhalten sollte, die ihn befähigte später die Firma zu übernehmen. Er absolvierte die Oberrealschule (technische Abteilung) in Chur und legte 1920 die Maturitätsprüfung ab. Zur weiteren Ausbildung oblag er den einschlägigen Studien an Bauschulen in Zürich und Stuttgart. Unmittelbar nach seinen Studienaufenthalten kehrte er nach Maienfeld zurück.
Berni Zindel, wie er überall und immer genannt wurde, gab nun im Jahre 1926 die Landwirtschaft auf und konzentrierte seine Aktivitäten ausschliesslich auf den Sektor Bauwesen. Doch das Weltgeschehen ging nicht unbemerkt an Maienfeld vorbei. Die Löhne sanken und es war ein «Betteln um jeden Auftrag».
Löhne zu Beginn der Weltwirtschaftskrise 1928/29
Ein Maurer verdiente
noch etwa 1.35/h,
ein Handlanger zwischen
80-90 Rappen.
Den landwirtschaftlichen Nebenzweig Weinbau führte seine Frau, Elsbeth Zindel-Kunz, bis zum Jahre 1965 weiter.
Die Maurer waren damals – bis zum zweiten Weltkrieg – eigentliche Fremdarbeiter, nämlich Liechtensteiner aus Balzers. Sie kamen täglich mit dem Velo über die St. Luzisteig nach Maienfeld. Für die Mittagsverpflegung war Meister Thomas besorgt. Nach zehnstündiger Arbeit kehrten diese Mitarbeiter jeweils wieder über die St. Luzisteig in ihre Heimatgemeinde zurück.
Schon damals gab es also eigentliche Saisonniers. Die im Frühjahr eingestellten Arbeitskräfte wurden im Herbst wieder entlassen. Bernhard Zindel-Kunz – das sei hier noch erwähnt – hielt von diesem Arbeitsvertragssystem allerdings nicht viel.
Die Weltwirtschaftskrise begann mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929. Zu den wichtigsten Merkmalen der Krise zählten ein starker Rückgang der Industrieproduktion, des Welthandels, der internationalen Finanzströme, Bankenkrisen, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen und massenhafte Arbeitslosigkeit.



Kriegsjahre 1939 – 1945
Um die während des Krieges anfallenden Aufträge im Festungsbau bewältigen zu können, wurde im August 1939 die selbständige Firma Zindel + Thut gegründet. Sie wurde bis 1944 geführt. Bernhard Zindel-Kunz leistete 8 Tage Militärdienst und wurde danach entlassen, um sich dem Festungsbau widmen zu können. Die Baustellen waren nicht einfach zu führen, es durften nur Schweizer beschäftigt werden, die oft durch Militärleistungen abwesend waren. Während der ganzen Zeit führte Bernhard Zindel-Kunz auch die Firma B. Zindel-Kunz in Maienfeld weiter, einerseits um die Kundschaft aufrecht zu halten, andererseits um die ausländischen Arbeiter, die kein Zutritt zum Festungsbau hatten weiter zu beschäftigen. Sein Sohn, Bernhard Zindel-Bärtsch, half deshalb schon früh, im Alter von 10 Jahren, mit.
Wiederverwendung Materialien
Um Ressourcen zu schonen, wurde der anfallende Bauschutt recycelt. Das war eine Aufgabe für Berni, der schon früh eingespannt wurde, da jede Hand gebraucht wurde.
Magaziner
Da der Magaziner einrücken musste, übernahm Berni dessen Arbeit. Er weiss noch, wie er als Zehnjähriger den Soldaten Material aushändigte und Rapporte schrieb.
Lagerung Sprengstoff
Berni Zindel erzählt, wie und wo der Sprengstoff für den Festungsbau gelagert wurde.
Essensbon
Die Verpflegung der Arbeiter in den Festungen lief über Elsbeth Zindel-Kunz. Berni und seine Schwestern halfen auch mit.
Angst vor einem Angriff
1940 befürchtete man, dass die Deutschen durch die Schweiz und das Rheintal nach Frankreich marschieren würden. Berni erinnert sich an die Vorbereitungen zur Evakuierung.
Absturz von Bombern in Bad Ragaz
Gegen Ende des Krieges flogen viele Bomber über die Schweiz. Berni mag sich an einige Luftkämpfe erinnern. Manchmal stürzten die Bomber auch ab.
Notstandsarbeit nach 1945
Vor dem Krieg herschte eine grosse Arbeitslosigkeit, nach dem Krieg drohte sie erneut. Die "Lösung": Notstandsarbeiten.